Studie «Grünes Gallustal»

Ein Leitbild für die Zukunft der Stadt St.Gallen

Einladung zur Filmpremiere Grünes Gallustal_Bild
«Squares» sind grüne Freiräume, die in den Quartieren für Begegnung und Erholung sorgen.

Bearbeitungszeit: März 2019 - Juni 2022
Auftraggeber: WWF St.Gallen
Studienverfasser: GSI Architekten AG
Trägerschaft: WWF St.Gallen, Pro Natura SG/AI/AR, Bird Life St.Gallen, Heimatschutz SG/AI, NVS Naturschutzverein St.Gallen und Umgebung

So grün könnte St.Gallen sein! Das Leitbild «Grünes Gallustal analysiert die Situation, schlägt Massnahmen vor und lanciert Pilotprojekte wie das Areal Bach. Damit die Natur zurück in die Stadt findet, die Folgen des Klimawandels gemindert, die Biodiversität erhalten und die Bedürfnisse der Quartiere nach urbanen Freiräumen erfüllt werden.

«Grünes Gallustal» wurde von GSI Architekten AG im Auftrag des WWF St.Gallen als Blaupause für eine nachhaltige Stadtentwicklung erarbeitet. Die umfassende Studie, die im März 2022 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, will einen Transformationsprozess anstossen. Alle raumrelevanten Planungen in St.Gallen sollen sich von diesem grossen Ideenpool inspirieren lassen.

St.Gallen soll für die Zukunft gerüstet sein. «Grünes Gallustal» betrachtet die Stadt aus einer neuen Flughöhe, analysiert und schafft die Grundlage, um künftig strategische Akzente mit möglichst umweltrelevanter sowie stadträumlicher Wirkung zu setzen. «Grünes Gallustal» ermittelt Potenziale und Massnahmen, um mit einem resistenten Konzept Grünräume in der Stadt flächendeckend auszubauen und untereinander zu vernetzen.

St.Gallen soll zum nationalen Vorbild für eine grüne Stadtentwicklung werden: Die Stadt bringt die Verdichtung und das Wachstum mit den Bedürfnissen der Menschen und der Biodiversität in Einklang. Es entsteht ein Kochbuch für die Grünraumaufwertung, das durch bereits laufende Pilotprojekte das Erreichen der Pariser Klimaziele einen Schritt näher bringt – dank klimaregulierender und biodiversitätsfördernder Grünstrukturen.

Bis 2050 werden 80 Prozent in Städten wohnen

Der Klimawandel stellt die Gesellschaft und die Natur vor grosse Herausforderungen. Bis 2050 werden 80% der Schweizer Bevölkerung in zu heissen Städten leben. Das Projekt «Grünes Gallustal» skizziert den Weg zu mehr Stadtnatur, Klimaanpassung und mehr Siedlungsqualität. Das Grundlagenwerk mit Ausstrahlungskraft bezeichnet die erforderlichen Flächen. Die Projektanalyse bestätigt den grossen Handlungsbedarf für die Gallusstadt. In den letzten 45 Jahren sind Grünflächen im Umfang von 383 Fussballfeldern verloren gegangen, bei stagnierender Bevölkerungszahl. Der Flächenverlust wird begleitet von einem hohem Versiegelungsgrad, rapidem Biodiversitäts- und Freiraumverlust sowie höheren Temperaturen. Die Zahl der Tropennächte hat sich im Zeitraum 1985 bis 2019 fast verdreifacht. Die Verluste von Grünflächen mit Baumbestand halten an.

Grünes Gallustal entwirft 14 Massnahmen, um Biodiversität, Klimaanpassung und Siedlungsqualität zu fördern. Diese sind rechtlich umsetzbar, bedingen aber punktuell Anpassungen bei der Revision der Bau- und Zonenordnung im 2027. Rund ein Drittel des Ökopotenzials liegt in den Privatgärten. Auch Strassen bergen enormes Aufwertungspotenzial mit grünen Multifunktionsstreifen.

Generationenprojekts kostet 2 Mia. Franken

Die Umsetzung sämtlicher Massnahmen kostet schätzungsweise 2 Milliarden Franken und ist als Generationenaufgabe zu verstehen. Die Finanzierung ist anspruchsvoll, aber lösbar: mit Bundes- und Kantonsbeiträgen, Mehrwertabgaben auf Ein-, Um- und Aufzonungen sowie Beiträgen von Bauherren, welche die Natur beeinträchtigen. Mit der Umsetzung von Grünes Gallustal könnte die CO2-Bindung um den Faktor 2.1 erhöht werden. Ökoflächen könnten von heute 11 auf 36 Prozent erweitert werden. Diese Hebel sind für die Klimaadaption, die Biodiversitätsförderung und die Freiraumförderung relevant.

Aus der Zivilgesellschaft entstanden

Das Projekt ist in seiner Dimension einzigartig und besticht durch das hohe zivilgesellschaftliche Engagement in seiner Entstehung und die Innovationskraft. Das über 1500 Seiten starke Grundlagenwerk beinhaltet Plangrundlagen, 60 Visualisierungen für Aufwertungen sowie detaillierte Zustandsanalysen und Massnahmenvorschläge. Die Instrumentarien leiten in der Tiefe und Breite dazu an, die bundesrechtlichen Vorgaben betreffend Klimaanpassung und ökologischem Ausgleich im intensiv genutzten Siedlungsgebiet umzusetzen. Bundesrechtliche oder kantonale Schranken sind nicht vorhanden.

Der Handlungsbedarf ist gross

In den Städten verschwinden Grün- und Freiräume. Gleichzeitig steigen der Versiegelungsgrad und die Temperatur zu Ungunsten von Mensch und Natur. Hitzewellen fordern zunehmend mehr Todesopfer. Bestände von Tierarten sind um 68 Prozent zurückgegangen. Rasches Handeln ist für eine Trendumkehr nötig.

Der Handlungsbedarf ist auch für St.Gallen gross. Die vollständige Umsetzung der Massnahmen von Grünes Gallustal hat einen Hebeleffekt auf sämtliche Handlungsbereiche. Das kantonale Recht schränkt die Umsetzung auf kommunaler Ebene nicht ein. Die Stadt hat den Spielraum, um die Bau- und Zonenordnung zu ergänzen und Grünes Gallustal vollständig umzusetzen. Im geltenden Recht ist vieles, aber noch nicht alles möglich. Geeignete Finanzierungsinstrumente können geschaffen werden.

Mehr auf www.gruenesgallustal.ch

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