Schützenswert
Ein Beitrag zur Belebung des Kulturdenkmals Waaghaus
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Das Waaghaus liegt eingebettet am Bohl in der St.Galler Altstadt. Ziel des Projekts, das der Heimatschutz an GSI Architekten herangetragen hat, ist es, die Umgebung des Marktplatzes von einem reinen Durchgangsort zu einem lebendigen Aufenthaltsraum zu entwickeln und so einen spürbaren Mehrwert für Passant:innen zu schaffen.
Mit dem Konzept «Waaghaus – Markthalle» wird diesem Anspruch gestalterisch Rechnung getragen. Der bisher wenig frequentierte Raum wird zu einem zentralen Ort transformiert, der Menschen anzieht und sich gleichzeitig harmonisch in das bestehende Stadtgefüge einfügt. Durch zwei neue Zugänge sowie die Öffnung der Südfassade entsteht eine neue Zirkulation im Stadtraum. Die Umgebung wird belebt, aktiviert und zu einem Ort des Verweilens und der Begegnung weiterentwickelt.
Das Waaghaus, gedacht als Ort für Kultur und Austausch, hat grosses Potenzial zur Belebung des Marktplatzes. Dieses Potenzial soll gezielt gestärkt werden – mit dem Ziel, das Gebäude nicht nur punktuell bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt zu nutzen, sondern es ganzjährig als lebendigen Treffpunkt zu etablieren.
Die Idee, dem Gebäude seinen historischen Charakter als Handelsort zurückzugeben, steht dabei im Zentrum: Das Erdgeschoss wird zu einer vielseitig nutzbaren Markthalle umgestaltet, in der Menschen zusammenkommen, einkaufen und verweilen können. Abends wird die Halle durch Portale geschlossen, während sie sich tagsüber zum Marktbetrieb öffnet. Die flexibel bespielbare Struktur bietet Raum für unterschiedliche Nutzungen – von Marktständen über Bistros und Food-Angebote bis hin zu Blumenläden oder kleinen Barbetrieben.
Leitgedanken zum Konzept
1. Sichtbarkeit
Durch gezielte Öffnungen und eine gestalterische Aufwertung wird das Waaghaus stärker in Szene gesetzt. Es entwickelt sich zu einem markanten Anziehungspunkt und identitätsstiftenden Element der Altstadt.
2. Ganzjährige Zugänglichkeit
Die Öffnung des Innenraums für die Öffentlichkeit ermöglicht eine dauerhafte Nutzung über das ganze Jahr hinweg. Die neue Markthalle knüpft an die historische Nutzung als Handels- und Begegnungsorts an und macht das Gebäude zu einem lebendigen Bestandteil des Stadtraums.
3. Anbindung in urbanen Kontext
Die Wiederherstellung der drei Eingangstore an den Querseiten greift die ursprüngliche Typologie des Gebäudes auf. Zwei zentrale Zugänge verbessern die Durchlässigkeit und ermöglichen einen Rundgang. Gleichzeitig wird die Anbindung an den Marktplatz, die Unterführung und die Tiefgarage gestärkt, wodurch das Waaghaus stärker in die bestehenden Wege-Beziehungen integriert wird.
4. Anbindung an Tiefgarage
Die Öffnung in Richtung Tiefgarage sowie die Aktivierung der Südfassade fördern den Bewegungsfluss. Entlang dieser Achsen entsteht eine lebendige, urbane Marktgasse mit hoher Aufenthaltsqualität.
5. Aufwertung des Aussenraums
Auch der umliegende Fussgängerbereich wird neu gedacht: Durch Möblierung, Marktstände und Aufenthaltsangebote entsteht ein belebter Stadtraum, der zum Verweilen einlädt und die Nutzung des Waaghauses nach aussen erweitert.
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Verankert im Stadtbild
Das Waaghaus ist ein markanter Profanbau in der St.Galler Altstadt. Erbaut im 16. Jahrhundert diente es ursprünglich als städtische Wiegestätte für Handel und Gewerbe. Es war ein Ort, an dem die wirtschaftliche Ordnung gesichert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich seine Funktion, doch das eindrucksvolle Gebäude blieb stets bestehen. Die charakteristische Fassade mit ihren Fenstern und der dominanten Uhr zeugt von seiner bewegten Geschichte. Heute ist das Waaghaus nicht nur ein Baudenkmal, sondern auch ein Ort für Kultur, Begegnung und Stadtpolitik. Durch seine zentrale Lage am Marktgeschehen ist es ein Ort, der das Stadtbild seit Jahrhunderten mitprägt.